Welt bereisen und arbeiten: So leben Digitale Nomaden

So könnte der zukünftige Arbeitsalltag aussehen: Laptop auf dem Schoß, Kaffee in der Hand, unter einer Palme, das Meer plätschert in 10 Metern Entfernung. 28° grad, sonnig. Kein nerviger, cholerischer Chef, kein Aktenstappel auf dem Tisch, keine „Überstunden“. Klingt zu gut um wahr zu sein? Dann lies weiter!

 

Noch nie hat sich die Arbeitswelt so schnell verändert wie heutzutage. Gängige 9-to-5 Jobs? Werden zunehmend verpönt. Das Großraumbüro als gängiger und alleiniger Arbeitsplatz? Schnee von gestern. Arbeitsgeber wollen mehr Freiheit und Selbstbestimmung, wann, wo, und wie sie arbeiten wollen. Und der digitalen Revolution sei Dank wird es für einige Menschen auch möglich. Ich möchte euch gerne hier – auch zum Anlass des Hello World Kongresses erzählen, wie Digital Nomades leben und wie ihre Online Geschäftsmodelle aussehen.

 

Digitale Nomaden

Kurz gefasst sich das Menschen, die ihr Leben unabhängig von anderen gestalten wollen. Sie arbeiten auf selbstständiger Basis von überall auf der Welt. Alles was sie brauchen ist ein Laptop und funktionierendes WLAN.

 

  1. Connie Biesalski

Die 31-jährige gilt als erfolgreichste Bloggerin Deutschlands.

Vor drei Jahren hängte die ehemalige Berlinerin ihrern PR-Job an den hacken und wagte den Schritt in die selbstständigkeit. Damals war sie erst 28 Jahre alt.

Zunächst arbeitete sie für Kunden im Bereich Social Media Management, pflegte den Facebook-Auftritt, schrieb Artikel. Auf lange Hinsicht wollte sie aber ihr eigenes Unternehmen gründen. Heute betreibt sie einen sehr erfolgreichen Blog: PlanetBackpack. Ich stieß auf ihre Seite als ich vor einem Jahr nach einem passenden Backpack gesucht habe. Ich persönlich finde die Frau sehr symphatisch und absolut bewundernswert. Sie ist einfach authentisch, ehrlich und unterhaltsam. Zum Beispiel erzählte sie in einem ihrer Videos, dass sie im ersten Jahr ihrer ihrer Selbstständigkeit dauernd Existenzängste hatte, weil es finanziell nicht sofort reibungslos lief.

 

Connie Biesalski verdient Geld unter anderem durch Affliate-Marketing. Das bedeutet, dass sie unter anderem für Amazon Backpacks und Reisetaschen teste und darüber schreibt. Dazu postet sie einen Link, sodass der Leser die Ware bequem kaufen kann. Wenn der Leser tatsächlich über diesen Link kauft, bekommt sie einen kleinen Prozentanteil des Preises (meistens sind es ca. 5-10%). Ihre andere Einkommensquelle ist natürlich ihr Blog. Dort schaltet sie Werbeflächen frei und gibt wertvolle Tipps rund um das Thema reisen… Egal ob ihr nicht genau wisst, was ihr einpacken solltet, welcher Backpack zu eurem Vorhaben passt oder nach Flugticket-Schnäppchen sucht – bei Connie seit ihr fast immer richtig. Abonniert man ihren Newsletter bekommt  man öfters Videos oder Artikel zugeschickt. Zudem bietet sie Blogger Camps an, bei denen angehende Blogger alles lernen sollen, um ihr eigenes Online-Geschäft erfolgreich aufzubauen. Es ist eine Art Online Kurs, bei dem man nach der Bezahlung aus verschiedenen Modulen sein Werkzeug erarbeiten kann. Letztens hat die Blogger auch ein Buch geschrieben und Online veröffentlicht – auch zum Thema Online Existenzgründung.

conniebiesalski

 

Quelle: http://www.planetbackpack.de/

 

Die Sundance-Family

 

Die Sundance Familie besteht aus einer 8-köpfigen Familie: Katie, Ka (Vater und Gründer des Unternehmens) und sechs Kids im Alter zwischen 15 und 0 Jahren. Seit mehreren Jahren reist die Familie um die Welt und die Eltern unterrichten ihre Kinder selbst. Da fragt man sich berechtigt, ob die Kinder emotional mit dem häufigen Wohnortswechsel klarkommen? Die Antwort der Eltern: Sie wollen den Kindern durch gemeinsame familiäre Rituale und eine liebevolle Atmosphäre Halt und Routine geben.

 

Ka bietet per auf der Webseite ein Glücks-Coaching zum Erreichen seiner individuellen Ziele. Unter anderem bietet er wöchentliche Coaching-Emails, um die Menschen zu motivieren, die sich an ihn wenden. Zum anderen bietet der Familienvater einen Kurs an, der aus verschiedenen Modulen besteht – ein wenig wie in der Uni. Die Preise für die jeweiligen Dienstleistungen lassen einem die Kinnlade herunterfallen. Aber anscheinend scheint dieses Geschäftsmodell, das mit kitschig-bunten Bildern und Heilsversprechungen gespickt ist, gut zu funktionieren.

sundance

Quelle: http://www.diesundancefamily.com/

 

 

Surferin und Bloggerin Heidi

 

Die Sportbegeisterte Heidi scheint ein Traumleben zu leben: zusammen mit ihrem Freund bereist sie die Welt, surft – und verdient Geld mit ihrem Blog. Ihr Thema ist „Surfen für Mädels“ und füllt eine Nische, denn Surfen gilt nach wie vor eher als typisch „männlicher“ Sport. Ihre Webseite ist bunt und schön, die Bilder lassen Sehnsucht nach dem nächsten Urlaub aufkommen.

Hedi promotet auf ihrem Blog Surfreisen auf verschiedenen Kontinnenten und betreibt einen Online Shop für Surfzeug. Sie  bietet auf ihrer Webseite auch Gastautoren Platz, die von ihrer Recihweite und bekanntheit ein Stück weit profitieren wollen – gegen Bezahlung.

heidi

Quelle: https://www.meerdavon.com/

 

Hello World Kongress

Wenn euch das Thema der Digitalen Existenzgründung interessiert: Im Moment läuft noch bis zum 15. Januar der sogenannte Hello World Kongress. Jeden Tag werden 3 Interviews mit verschiedenen Digitalen Nomaden veröffentlicht und können gratis angehört werden. Man erfährt die individuellen Geschichten der jeweiligen Leute und wie sie zu ihrem Erfolg gekommen sind.

Link zum Hello World Kongress

 

Will ich ein Digitaler Nomade sein?

Zugegebenermassen hatte ich diesen Traum  von unabhängigem Leben, als ich mich für das Onkomm-Studium anmeldete. Gleichzeitig Länder bereisen, Neues sehen und Geld dabei verdienen klingt wie ein Traum. Doch wenn ich es mir so recht überlege, hat dieser Lebensstil – wie jeder andere auch seine Schattenseiten. Meine Familie und Freunde würden mir fehlen wenn ich jahrelang weit weg leben würde. Wenn man in einer anderen Zeitzone lebt als sie, wäre selbst das Skypen ein organisatorischer Kraftakt.

Hinzukommt das Fehlen jeglicher Routine. Zwar trifft man in Co Working Spaces (Arbeitsplätze in Großssraumbüros, die man kurzfristig mieten kann) Gleichgesinnte mit einem ähnlichen Lebensstil. Aber auch diese reisen irgendwann weiter und man ist wieder auf der Suche nach guter Gesellschaft. Wir Menschen sind durch und durch soziale Wesen, die ihre Identität auch durch Feedback von Freuden definieren. Fällt dieses Feedback weg, dann kommt Unsicherheit auf wer wir eigentlich sind. Viele Menschen sind gelangweilt durch Routine und immer gleichen Abläufe: um 9 h irgendwo sein, um 17 oder 18h heimgehen, Dienstagsabends Sport, Mittwochs Tango… Aber diese Routine gibt unserem Leben auch Halt und Stabilität.

Für einige ist es der Traum, aus dem Koffer zu leben. Aber ist es wirklich so traumhaft, wenn man der Traum Realität wird? Nicht jeder kann ohne einen festen Arbeitsplatz arbeiten. Öffentliche Arbeitsplätze können, laut, nervig oder mit schlechtem Internet ausgestattet sein. Zudem solltet ihr bedenken, dass es enorm viel Disziplin kostet selbstständig zu arbeiten… vor allem wenn Strand und Meer förmlich vom Arbeiten weglocken.

 

Fazit: Traum dem Realitätscheck unterziehen

Wenn ihr den Schritt in die digitale Unabhängigkeit wagt, solltet ihr mit kleinen Schritten vorgehen. Sobald ihr eure Online Business gestartet habt, probiert ein Co-Working Space in eurer Stadt aus. Als nächstes könnte ihr eine Stadt in Deutschland zum ortsunabhängigen Arbeiten ausprobieren. Und dann in Europa verreisen und einige Wochen Touri-Dasein mit Arbeit kombinieren. Erst wenn das alles gut läuft, könnt ihr längere Reisen ins Visier nehmen.

 

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Schöner scheitern. Wie ich auszog meine Prokrastination zu besiegen und mich mit ihr anfreundete

Hallo lieber Leser,

 

hast auch manchmal schlaflose Nächte vor einer Abgabe? Kannst dich einfach nicht aufraffen, unangenehme Dinge zu erledigen? Und bist überzeugt, nur unter Zeitdruck so richtig in die Gänge zu kommen? Nun, du bist nicht allein.

Prokrastination – Ein Defitionsversuch

Für die glücklichen Leser meines Beitrags, für die Prokastionation ein Fremdwort ist, möchte ich einen dilletantischen Erklärungsversuch wagen.

Meiner Meinung nach erklärt niemand hat Aufschieberitis so prägnant und einleuchtend wie Tim Urban in seiner TED Rede. Man stelle sich das Ich als einen Steuermann vor, der das Schiff einem zu bestimmten Ziel steuert. Alles könnte so gut laufen… wäre das nicht das Prokrastinations-Äffchen. Es lenkt den Steuermann ab, z.B. durch Katzenvideos auf Youtube.  Und das Äffchen ist so gut darin, dass der Steuermann sein Ziel aus den Augen verliert und nicht weiterkommt. Als immer mehr Zeit verstreicht, gesellt sich das Stressmonster zu dem Duo.  Es verscheucht das Prokrastinations-Äffchen. Nun kann sich der Steuermann wider ohne Ablenkung seiner Aufgabe widmen und steuert das Schiff weiter in Richtung des Ziels…

Hier ist der Link sodass du dir selbst einen Eindruck machen kannst:

Das Wort „Prokrastination“ kommt übrigens aus dem Lateinischen. Pro bedeutet „für“ und Cras für „Morgen“. Logisch, oder?

Was du morgen lernen kannst, das verschiebe nicht auf heute. Oder?

Immer dann wenn man sich selbst organisieren muss, kommt es zu Aufschieberitis-Erscheinungen. Typische Volkskrankheit unter Studenten. Was kann man dagegen tun? Ich stelle dir ein paar Methoden und meine eignen Erfahrungen damit vor.

 

  1. Pomodoro-Technik

Die Essenz dieser Technik besteht darin, dass man seine Zeit in 30 Minuten taktet und stellvertretend für eine halbe Stunde eine Tomate auf ein Blatt zeichnet. Man kann so viele Tomaten zeichnet wie man Zeit einplant für die zu erledigenden Aufgaben. Nach jeder verstichenen  – und hoffentlich produktiv verbrachten – halben Stunde klingelt der Wecker. Dann streicht man eine Tomate durch und nimmt sich eine Pause von 5 Minuten.

Ziel: Dies soll bewirken, dass man für kurze Zeit konzentriert arbeitet und sich nicht ablenkt – weil eine Pause in naher Zukunft ansteht.

Meine Erfahrung: Die Idee hinter dieser Technik klingt erst einmal plausibel und realitätsnah. Die 5-Minuten-Pause war für mich ein geeignetes Hintertürchen um mich länger abzulenken als vorgesehen. Zudem ist die Unterbrechung nach nur 30 Minuten eher störend.

 

  1. „Zurück-in-die-Zukunft“ Methode

Wenn man eine konkrete Deadline hat oder sie sich selbst gesetzt hat, plant man seine Aufgaben rückwärts ab der Deadline. Was muss passieren und wann damit Aufgabe X bis zur Deadline erledigt ist? Man kann sich beliebig viele „Zwischen-Deadlines“ setzen und am besten auch Puffer einplanen. Tod der Katze, Erkältung, Liebeskummer oder andere unvorhersehbare Ereignisse können uns zeitweise außer Gefecht setzten und leistungsunfähig machen.

Ziel: Diese Vorgehensweise ist besonders für die geeignet, die sich selbst gern um die Nase herumführen und sich einreden, sie würden die verlorene Zeit nachholen durch „schnelleres“ Arbeiten. Also für hoffnungslose Optimisten.

Meine Erfahrung: Diese Methode hat bei mir am besten funktioniert. Die Planung war zwar etwas aufwendiger als bei einer „Vorwärts-Planung, dafür wurde ich daran gehindert, mir selbst einen unrealistischen Plan vorzugaukeln.

 

 

  1. In der Bibliothek arbeiten. Mit Leidensgenossen.

Mit dieser Arbeitsweise schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. In der Uni-Bibliothek ist die Auswahl an interessanten Tätigkeiten begrenzt. Nur Prokrastinations-Profis können sich dauerhaft ablenken durch intensives Betrachten der Tapete. Wenn man sich zudem mit einem Freund oder Freundin verabredet, kann man schwieriger schwänzen. Und der Ausblick, den Tag in der Bibliothek zu verbringen erscheint weniger schlimm.

Ziel: Durch Verabredung Verbindlichkeit für sich selbst schaffen, Fun-Faktor erhöhen und Möglichkeiten zur Ablenkung reduzieren.

Meine Erfahrung: Man braucht Disziplin, damit die gemeinsame Kaffeepause nicht zu einer stundenlangen Babbel-Extase ausufert. Ansonsten tolle Sache.

 

 

Warum Prokrastinieren wir eigentlich?

 

Ja warum eigentlich. Wir scheinen ja etwas davon zu haben, wenn wir es immer wieder tun.

 

Manche Menschen durchlaufen beim Nähherrücken der Deadline eine erstaunliche Metamorphose. Sie mutieren energetisch von einem Phlegmatiker zu einem Power-RaFanger. Diese Superkräfte, die in ihnen schlummern, können offenbar nur durch einen extremen Zeitmangel mobilisiert werden. Und dann fragen sich diese Menschen beim nächsten mal: Warum nicht gleich so? Warum früh anfangen und sich quälen, wenn man am Ende mit Zeitdruck effizierter ist? Wir haben subjektiv das Gefühl, Zeit zu sparen, weil wir unsere Aufgaben ruck-zuck erledigen.

 

Auch unsere Konzentration erscheint plötzlich um ein Mehrfaches gesteigert. Es fällt uns plötzlich viel leichter Dinge auszublenden, die uns sonst ablenken. Eine Art mentale Scheuklappen. Es fällt uns leicht, auf die nächste Walking Dead Folge zu verzichten und sogar ein hoher Geräuschpegel um uns herum scheint uns plötzlich kaum etwas aus zumachen. Wir geben sogar unseren temporäreren Putzzwang auf der uns davon abhält, die Aufgabe anzupacken.

Ein anderer Aspekt ist, dass wir uns unsere Aufgaben dadurch spannender machen. Selbst die langweiligste Hausarbeit erscheint durch den Adrenalin- Kick beim Blick auf die Uhr aufregender.

 

Fazit: Ist die Prokrastination also doch ein Segen und kein Fluch?

 

Weder noch und beides zugleich. Bei langfristigen und großen Projekten kommt man mit Prokrastination nicht weit. Denn selbst ein beschleunigtes Schuften kann manchmal die verlorene Zeit nicht ausgleichen. Die Qualität einer solchen Arbeit leidet mal mehr,  mal weniger unter dem Ausnahmezustand in dem sie entstanden ist. Hausarbeiten die man in 5 Tagen schreibt werden sehr selten gut. Man hat auch keine Zeit Rechtschreibfehler zu korrigieren – es sei denn man hat einen Freund oder Freundin, die die gleiche ungewöhnliche Arbeitszeit pflegen und die Hausarbeit um 4 h morgens korrigieren können. (An dieser Stelle möchte ich dir gebührend danken, liebe Cristina!)

Wenn man beschließt sich zu verändern und eine Methode für sich auswählt, sollte man viel Geduld mit sich haben, denn eine Änderung unseres Verhaltens braucht viel Zeit. Dabei hilft es zu wissen, dass eine Studie aus dem Jahr 2009 herausgefunden hat, dass Menschen für eine einfache Änderung des Verhaltens und Gewohnheiten wie einen Apfel pro Tag essen zwischen 18 und 190 Tagen gebracht haben. Und einen Apfel am Tag zu essen ist sicherlich um einiges einfacher als eine sein Zeitmanagement zu ändern, stimmts?

 

Alle Angaben ohne Gewähr. Zu Risiken und Nebenwirkungen checkt eure Deadlines in eurem Kalender.